War es der Herbststurm, der heute den Kran vor dem Küchenfenster bewegt hat? Oder wird da wirklich weitergebaut? Denn der Unternehmer, der eins der schönsten Häuser in der Umgebung sanierte, war pleite gegangen. So stand der Bau seit Jahresanfang still. Nur die Fenster wurden eines Tages ordentlich zugenagelt.
Jetzt sind Baugeräusche zu hören, und Männer laufen hin und her, so weit man das durch die mittlerweilen entlaubten Bäume sehen kann. Da hatte ich am Anfang Sorge gehabt, dass Baugeräusche stören könnten, nun bin ich frioh darüber! Hoffentlich geht die Renovierung weiter und es wird nicht die Baustelle endgültig geschlossen.
Die Kids aus dem Nachbarhaus haben sich jedenfalls schon inspirieren lassen und ein Budenbau-Programm aufgelegt. Hoffentlich stört sie niemand dabei. Als sie neulich irgend etwas mit Pappe und Papier bauen wollten – was so aussah, als wäre der Inhalt der Papiertonne im Gärtchen verteilt worden – hat ein Nachbar fürchterlich geschimpft. Jetzt haben sie sich auf die große Wiese in der Mitte verzogen, nah bei den echten Bauarbeitern.
24. November 2009
Buden bauen
20. November 2009
Augenarzt gefunden
Es hat geklappt. Ich bin selbst hingegangen zu den günstig erreichbaren Praxen, die meisten liegen sowieso direkt im Zentrum. Und bei einer sehr angenehm wirkenden Praxis – nicht nur moderne Einrichtung, auch freundliche Mitarbeiterinnen – habe ich kurzfristig einen Termin bekommen. Ich grüble nur, dass ich da gefragt wurde, von wo ich zugezogen sei. Das spielt doch keine Rolle…
12. November 2009
Augenarzt gesucht
Jetzt weiß ich, dass sich die Augenärztin, von der ich neulich schrieb, mit ihrer Website nicht viel Mühe geben muss. Denn sie nimmt gar keine neuen Patienten mehr an und ist damit nicht die einzige hier in der Großstadt.
Und ich dachte, das Problem gäbe es nur auf dem Land? Da hat vor dreißig Jahren die Nachwuchsförderung nicht geklappt. Dass man lieber mehr das Fach studieren lässt als es im Plan ist, weil es ja sein könnte, dass sie sich nicht an ihre Arbeitsstellen „lenken“ lassen, hat man nicht mit einbezogen.
Ob es heute besser ist? Wenn der Numerus Clausus so hoch ist, gibt es dann später genug Mediziner für alle alten Augen der Republik? Denn einen Augenarzt braucht fast jeder alte Mensch. Schlecht, wenn er stolpert, weil er die Stufe nicht richtig gesehen hat. Dann wird’s komplizierter.
Wenn ich heute nichts finde, dann gehe ich zu dem meiner Schwiegermutter in Westdeutschland. Oder in Berlin. Aber das kann keine Lösung sein.
4. November 2009
Kinder als Kosmetik
Erst wollte ich schreiben: Ein Fall von Kindesmissbrauch, aber man soll ernste Delikte ja nicht so verharmlosen.
Aber trotzdem: Da dürfen die Kids nicht einfach einen Laternenumzug machen, sondern sollen damit zeigen, dass es sie trotz Überalterung noch gibt!
Warum wird nicht einfach gefeiert? Eine Tradition gepflegt (am besten ein echter Martinszug wie im Rheinland) oder eine neue begründet, weil es Freude macht?
Mit der „Überalterung“ müssen wir uns sowieso auseinander setzen. Am besten fangen wir an, dies Wort abzuschaffen.
3. November 2009
Im Herbstwetter zurück
Wie viele Blogeinträge es wohl über das Wetter gibt? Ich könnte mal suchen. Hat es etwas mit diesem Wort „Wetter“ zu tun, dass rot in der Administrationsspalte neben diesem Textfenster das Aktionsangebot „Move to Trash“ auftaucht? Diese Funktion habe ich noch nie bemerkt. Und so, als einziges knallrot, wäre sie mir bestimmt aufgefallen.
Worüber sprachen wir gerade? Ja, übers Wetter. Als ich gestern nach einigen Tagen Abwesenheit wiederkam, sah ich draußen nichts außer Nässe, Dunkel und die kleinen altertümlichen Straßenlaternen mit dem gelben Licht. Heute morgen bemerke ich, dass das schöne Herbstlaub auf dem Platz schon zu zwei Dritteln unten liegt. Und ich wollte es doch noch fotografieren. Naja, dann das nächste Jahr. Auf der anderen Seite ist es schön bunt. Auch die wilden Kirschbäume sind so rötlich verfärbt, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Ich war unter anderem auf einem Klassentreffen in der Nähe von Köln. Da war ich, wenn ich recht überlege, die einzige, die jetzt im Osten wohnt. Wenn man von dem Mitschüler in Shanghai absieht.
Gestern bei einer Veranstaltung saß ich zufällig neben jemandem, der aus einem benachbarten Hamburger Sadtteil stammt und ganz traurig ist, dass er wahrscheinlich Chemnitz aus Berufsgründen wieder verlassen muss. Ich freue mich, hier bleiben zu dürfen. Auch wenn der Weg von West nach Ost sich lange hinzieht.
Ich merke, dass ich hier schon nicht mehr ganz so neu bin. Gerade gestern hatte ich zum ersten Mal die Idee für einen Anschlussblog und überlegte, wann ich diesen beende. Ich hatte mir den 31.12. vorgesehen. Wahrscheinlich bleibt es dabei, denn ich könnte den Neuen ja vorbereiten und nicht völlig nackt starten wie diesen aus den Umzugskisten heraus. A propos Umzugskisten. Die Familie zwei Stock unter uns zieht um. Ich biete ihnen meine Kisten an.
Jetzt werde ich nicht „move to Trash“ anklicken, sondern „Veröffentlichen“. Danke, dass Sie wieder „Neu in Chemnitz-Sonnenberg“ gelesen haben.
22. Oktober 2009
Ein angenehmer Aufenthalt
Wenn ich mit Gästen durch die Stadt gehe, erzähle ich immer vom Bevölkerungsverlust seit dem Kriegsbeginn. Sonst sind die Lücken und die vielen Schilder „Wohnung frei“ nicht zu verstehen. Da fiel mir beim Vorbeigehen am Haus der „Freien Presse“ die passende Schlagzeile ins Auge „70.000 Sachsen pendeln in den Westen“. Beim Erklären und Überfliegen des Artikels schubsten wir beinah eine andere Leserin vor gleichen Scheibe weg. Sie aber nahm gleich freundlich das Gespräch auf, erklärte, dass seit der Wende die Bevölkerung um 100.000 geschrumpft sei. Und wünschte uns dann einen angenehmen Aufenthalt.
Ja, ist das jetzt etwas Besonderes, dass man es in einen Blog schreibt?
Wie auch immer, wir verbrachten den Mittag und Nachmittag als Multi-Nationen- und Multi-Generationen-Gruppe zusammen mit der betagten Verwandten aus Baden-Baden, die vielleicht hierher ziehen will und sich deshalb zielsicher die schönen Seiten der Stadt erschließt. Essen an der Stadthalle, dann mit dem Taxi über den Kaßberg zum Schloßmuseum. Ein netter Taxifahrer, der uns die „bürgerlichen Häuser“ auf dem Kaßberg erklärt. Nach der Besichtigung noch ein Getränk und ein Nachtisch im ältesten Gasthaus der Stadt. Und dann wieder ein Großraumtaxi zum Kino Metropol. Geld ausgeben ist gut gegen Fremdenfeindlichkeit.
Das war auch ein Thema des Films „Salami aleikum“, den wir gesehen haben. Beim Eintritt von 1,50 Euro pro Person kamen wir uns noch einmal reicher vor als wir sind. Der Held des Films aus einer persischen Emigrantenfamilie findet in einem verlassenen Nest kurz vor der polnischen Grenze offene Arme, weil er für einen potentiellen Investor angesehen wird, der das Kombinat retten könnte, das einst dem Dorf Leben gab. So haben wir am Abend des Tages über den Umschwung von Spießigkeit und Neonazitum zu bemühtem Multikulti herzlich gelacht. Die schöne Geschichte im Film ist, dass es funktioniert und die Freundschaft bleibt, auch als die Investorenträume zerstört sind.
Am Tag drauf waren wir zu Fuß und mit dem Bus unterwegs, aber das ging auch. Wir sind zur TU, weil da gerade Studieninformationstage für Schüler liefen. In diesem Umfeld, allein von den vielen jungen Leuten umgeben zu sein, war schon ein angenehmes Gefühl. Und der Studienberater war echt nett und verkörperte glaubwürdig die persönliche Atmosphäre, die man kleinen Unis nachsagt. Klar, die werben schließlich um Studenten. Aber das ist es ja: Wir brauchen in Deutschland Verstärkung bei der jungen Generation, und das sind zum großen Teil Migranten. Also, warum spürt man nicht überall diesen Respekt vor der Bedeutung, welche diese Jugendlichen und ihre Eltern haben (von der persönlichen Freundschaft abgesehen)?
19. Oktober 2009
Verdacht auf unberechtigte Einreise
Ich hatte ja schon Bedenken, besonders wichtige Freunde aus Hamburg mit dunkler Hauptfarbe zu Besuch nach Chemnitz einzuladen. Nicht dass sie hier auf etwas stoßen, was vielleicht nicht so angenehm ist, Fremdenfeindlichkeit oder so. Allein schon – im Vergleich zu Hamburg – quasi als weiße Raben durch die Sadt zu laufen ist gewöhnungsbedürftig, zumal für Jugendliche, die fast ihr ganzes Leben in der Hansestadt verbracht haben.
Sie kommen also heute an, mit dem Bus als Schienenersatzverkeht von Burgstädt. Und da der Bus nicht da hält, wo er nach Bahnauskunft halten sollte und wo ich stehe, sondern direkt vor dem Bahnhofshaupteingang, erwische ich sie nicht gleich.
Als dann der dicke Bahnhofsmissionsmitarbeiter, der gleichfalls jemand in Empfang nehmen wollte, auf einmal losrennt, merke ich, dass ich meine Gäste suchen muss. Ich habe Glück, ich finde sie gleich am Anfang der Bahnhofshalle, in Begleitung von zwei Uniformierten. Erst denke ich: Wie nett, die helfen ihnen mich zu finden. Dann sehe ich den Ausweis in der Hand unserer Freundin. Schwarze – Kontrolle – schießt es mir durch den Kopf. Davon hatte ich gehört und gelesen, dass Leute, die auffällig anders aussehen, auffällig oft kontrolliert werden, aber erlebt noch nie.
Zum Glück nimmt die Freundin, die schon 20 ist, die Sache mit Humor und hatte ihren deutschen Pesonalausweis eingesteckt. Die Beamten hatten erst den 15-jährigen Bruder angesprochen, der älter aussieht als er ist, und der keine Papiere dabei hatte. Er war es auch, der sich öfter im Vorfeld nach Nazis erkundigt hatte. O nein, und jetzt so etwas. Das habe schon seine Richtigkeit, werde ich belehrt, schließlich müssten sie bei Verdacht auf unberechtigte Einreise kontrollieren, seit die Tschechei zum Schengenraum gehört.
Ich sagte noch, dass wir als Neuzugezogene schon Bedenken hatten, unsere Gäste hierhin einzuladen. Aber wie reagiert man sonst richtig? Ich werde mich mal erkundigen, wie andere damit umgehen. Ob jeder Student nach seinem Wochenendausflug kontrolliert wird? Wo doch Chemnitz junge Leute anziehen möchte statt sie abzustoßen!
Zum Glück hat der Taxifahrer normal reagiert. Und nachmittags sind wir in den Wald gegangen, da kann nicht so viel passieren. Mal sehen, wie es morgen wird.
5. Oktober 2009
20 Jahre danach
In diesen Wochen bin ich intensiv mit Heimatkunde beschäftigt: Was war vor 20 Jahren, als die Ereignisse passierten, die „Friedliche Revolution“ genannt wurden oder Wende, je nach dem?
Die Friedensgebete, Kerzen-Demos, der Mauerfall, das sind Ereignisse, die zur Zeit auf allen Kanälen zu verfolgen sind. Besonders spannend ist für mich die direkte lokale Geschichte. In der Stadtbücherei gibt es einen Tisch mit dem Rubrikennamen „Trend“, da werden alle mögliche Medien zum Thema präsentiert. Zum Beispiel eine Chronik dieser Zeit direkt aus Karl-Marx-Stadt bis zur Rückbenennung in Chemnitz.
Und jeden Abend gibt es einen Vortrag, eine Lesung, eine Diskussionsrunde. Super, wenn man da hingehen kann! Gleich hole ich mir im Gemeindebüro die Karten für den offiziellen Festakt , der direkt in der Markuskirche auf dem Sonnenberg stattfindet. Die Zeit der Zeitzeugen läuft, die Erinnerungen werden nicht frischer. Aber jetzt gibt es die Chance, dass die ehemaligen Akteure noch berufstätig sind, z. B. der Leiter der Außenstelle der Birthler-Behörde, oder frisch im Ruhestand und damit im besten Memoiren-Alter wie Christian Führer, der Leipziger Nikolaikirchen-Pastor.
Ich könnte seitenlang darüber schreiben, was ich dazu lerne. Des vielen Büchermachens und Bloggens ist kein Ende, wie schon der Prediger Salomo sagte (mit aktueller Ergänzung). Das tue ich aber nicht, sondern sehe es als Grundrecherche für mein weiteres Leben hier.
Besonders wichtig finde ich die direkte Zeit nach dem November 1989, als die Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Wer mit wem warum welche Strippen gezogen hat und die heutigen Machtverhältnisse vorbereitet hat. Dazu werde ich wohl auf öffentlichen Podien nicht so viel erfahren, aber das Gute an den Veranstaltungen ist ja auch, dass man persönliche Gesprächspartner kennenlernt.
29. September 2009
Zettel falten
Am Sonntag in einer der alten Schulkästen aus wilhelminischer Zeit zur Wahl. Alles wie üblich, nur dann sagt der Wahlhelfer am Ende der Reihe: „Und dann falten Sie mal den Zettel am Schluss so …“ .
Zettelfalten, so nannte man ironisch in der DDR den Wahlvorgang, bei dem es nur die eine Liste anzukreuzen gab. Ob ihm das bewusst war? Ich habe mich jedenfalls amüsiert.
Auswahl gab es genug. Mit einer Stimme habe ich schon gewonnen, bei der anderen weiß ich es noch nicht. Der Wahlabend insgesamt gehörte zur Kategorie „muss mich umgewöhnen“.
Einerseits war es spannend, direkt am Ort der Auszählung vor einer Leinwand zu stehen, auf der die einzelnen Wahlkreisergebnisse nach und nach eingeblendet wurden. Andererseits waren für mein Gefühl sehr wenige Leute da.
Bei allen anderen Gelegenheiten spürt man das nicht so sehr wie hier, wo ich den direkten Vergleich mit Wahlabenden im CCH habe. Dafür ist Berlin „gefühlt“ näher.
24. September 2009
U-18-Wahl auf dem Lessingplatz
Letzten Freitag war hier wie in anderen Orten auch die U-18-Wahl.
Auf dem Lessinglatz bei uns war ein Freiluft-Wahllokal mit Musikbeschallung. Evangelische (Stadtmission) und katholische (Don Bosco) Jugendsozialarbeit wirkten zusammen.

U-18-Wahl im Freien
Eine Streetworkerin drückte mir einen Mini-Flyer mit der Einladung für die Podiumsdiskussion zur Auswertung in die Hand. Dort war ich am Samstag und konnte so aus erster Hand hören, dass Chemnitz in Sachsen mit ca. 1500 jungen WäherInnen die höchste Wahlbeteiligung hatte. Und dass ein Jugendclub hier den 3. Preis beim Wahlurnenwettbewerb gewonnen hat.
Und die Ergebnisse? Naja, die NPD hat jedenfalls weniger als bei der ersten U-18-Wahl vor vier Jahren. Aber immer noch zu viel, da waren sich alle einig.
Mehr dazu auf der U-18-Website.
Wie wir Großen wohl am Sonntag an die Sache rangehen?