Neu in Chemnitz-Sonnenberg

11. Juli 2011

Kein Ballermann in der Susannenstraße, Außengastronomie stoppen

Einsortiert unter: Uncategorized — hierneu @ 13:33

?? Richtig geraten, der Titel bezieht sich nicht auf zu viel Außengastronomie auf dem Sonnenberg, sondern auf mein altes Stadtviertel in Hamburg. Kathrin Erdmann, eine NDR 90,3-Reporterin, versorgt mich immer mit ihren Manuskripten und hat nichts dagegen, dass ich ihren heutigen Beitrag hier zitiere.

(Vorschlag für die Anmoderation:
In der Susannenstraße im Schanzenviertel sind die Bauarbeiten für die Außengastronomie in den letzten Zügen. Statt direkt vor den Restaurants, dürfen nur noch Tische und Bänke auf extra ausgewiesenen Flächen aufgestellt werden. Die Anwohner fürchten, dass das Schanzenviertel dann noch mehr zur Partyzone wird als es jetzt schon ist. Kathrin Erdmann war in der Susannenstraße unterwegs:)

ATMO unterlegt

Gut besetzt sind sie, die ersten braunen Bänke , die jetzt in der Susannenstraße dort stehen, wo bisher die Autos geparkt haben.

O-Ton:
Sehr, sehr nett hier, gerade bei dem Wetter, kann man sich schön raussetzen, essen, trinken//also ich find’s auch gerade, wo es um Außengastronomie geht, das sehr schön, man sitzt direkt an der Straße, bekommt alles mit, passt sehr gut hier auch rein//ich find das schön, müssen noch ein paar mehr Tische hierin.

Noch mehr Tische – für Anwohnerin Susan eine Horrorvorstellung:

O-Ton:
Du hast das Gefühl, die Leute sitzen bei dir im Zimmer und nicht dort unten.

Gemeinsam mit anderen Bewohnern hat sie vor dem Verwaltungsgericht einen Eilantrag gegen den weiteren Ausbau der Gastronomie in der Susannestraße gestellt. Der wurde abgelehnt. Es darf weiter gebaut werden. Oliver wohnt seit 10 Jahren in der Straße. In seinem Fenster hängt zur Straße hin ein rotes Plakat.

O-Ton.
Kein Ballermann in der Susannenstraße, Außengastronomie stoppen

steht da drauf. Dem 38-Jährigen geht es weniger um den Lärm, Ihn stört die gesamte Entwicklung des Viertels. Aus seiner Sicht steht hinter dem Um- und Ausbau der Gastronomieflächen etwas ganz anderes.

O-Ton:
Durch diese Spaßgesellschaft, die hier so reingelockt wird und wo auch alles für getan wird, im Gipfel jetzt der Ausbau der Susannestraße, als Verlängerung der Piazza. Dass das so ein bisschen so ein Masterplan ist, um das politisch linke, was man hier nicht so gerne möchte, was ja auch gern mal ein bisschen Alarm macht, hier ein bißchen zu vertreiben.

Schon oft hat Oliver unangenehme Erfahrungen mit der Spaßgesellschaft gemacht, vor allem am Wochenende:

O-Ton:
Dann wird hier schreiend durch die Straßen gelaufen, hier wurden die Türen schon eingetreten, im Winter, wenns kalt ist, dann wollen sie natürlich in den Hausflur und feiern da weiter. Und da wird dann natürlich alles möglich auch gelasen, was man vorher reingetankt hat, ist ja klar.

ATMO unterlegt

Wegziehen wollen Susan und Oliver nicht, ihre Miete ist günstig und sie haben viele Freunde im Kiez.
Bei den meisten Besuchern stößt die Kritik der Anwohner auf Unverständnis:

O-Ton:
Entschuldigung, es tut mir leid, aber vor 10 Jahren war die Schanze nicht ruhiger als jetzt//ich glaub, ich wär mir darüber im klaren, dass, wenn ich hierhin ziehe, dass es nicht leise ist, vor allem im Vergleich zu Leuten, die an Bahnhöfen oder in der Nähe von Flughäfen wohnen, da ist es hier vielleicht noch angenehmer/ Großstadt ist in Bewegung, immer. Ich kann nicht sagen, ich zieh da hin und das bleibt 20 Jahre so, wie ich es vorgefunden habe. Das kann ich nicht erwarten.

Die meisten würden sogar gern ins Schanzenviertel ziehen – allerdings ist das inzwischen für Studenten kaum noch zu bezahlen.

Gut – gerade gestern Nachmittag hatten wir Appetit auf ein Bier im Freien. Café Exil? Sommerpause! Kleingartenanlage Fritz Heckert? Nur für den Mittagstisch geöffnet! Was anderes fiel uns nicht ein. Dann blieb noch der Balkon mit Bier und Buttermilch im Kühlschrank. Den hätten wir im Schanzenviertel nicht gehabt. Und da wäre noch Platz für einen kleinen Biergarten in einer grünen Straße oberhalb der Zietenstraße. Wer weiß, das kommt schon noch.

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