Neu in Chemnitz-Sonnenberg

10. Dezember 2010

Neues aus der älter werdenden Stadt: 3. Demografiekongress

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 15:42

Ich sitze gerade im großen Hörsaal der TU an der Reichenhainer Straße und kann dank des W-Lans prächtig die Podiumsdiskussion zum 3. Demografiekongress mit etwas Nebenarbeit gestalten. Da dieser Kongress der sächsischen Landesregierung hier stattfindet, habe ich natürlich die Gelegenheit genutzt, mich anzumelden. Auch, um meinen neuen Landesvater kennenzulernen.
Mal nichts zum Inhalt, das kommt später an anderer Stelle. Aber hier steckt echt Geld drin. Das schöne Gebäude, die Gestaltung mit extra Quickbannern als Wegweiser für die Foren, das Ausstellungssystem, auf das meine Namensvetterin, die stellvertretende TU-Pressesprecherin mit Neid blickte, und natürlich das Essen. Was gibt es denn dann, wenn etwas gefeiert wird? Es fällt mir auf.
Besonders, da ich jetzt öfters im Bürgerzentrum meines Stadtteils bin, weil ich da mit der Stadtteilzeitung zu tun habe. Hier hangeln sich die Leute von einer Fördermittel-Maßnahme zur nächsten. Mal sehen, ob auch aus diesem Demografie-Fördertopf etwas dabei ist.
Angela Elis beendete ihre Moderation. Auch sie macht es wohl nicht für lau. Jetzt erst mal Kaffeepause. Gleich erzähle ich noch, was ich vorgestern hier Schönes erlebt habe.

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5. November 2010

Goldene Stadtlage – leere Kassen

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 13:37

Stephan Kühn, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/ Die GRÜNEN, besuchte gestern Chemnitz und informierte sich vor Ort zum Thema Aufbau Ost. Ich habe die Gelegenheit genutzt, noch mehr über meine Umgebung zu erfahren und dabei einen weiteren Fan des Viertels kennen gelernt.

In einer Gesprächsrunde im kleinen Bürgerzentrum im Plattenbauteil des Sonnenbergs saßen die Expertinnen und Experten um den Tisch. Grit Stillger, neben dem Amtsleiter für Stadtplanung Börries Butenop als Vertreterin der Stadt präsent, gab Auskunft über die schwierige Lage. Die „Leiterin Koordination Fördermittel, Stadterneuerung, Stadtumbau“ berichtete von leeren Kassen. Noch nicht einmal in das Förderprogramm, was die Bundesregierung jetzt kürzen will, war der Sonnenberg aufgenommen worden. Durch Wegzug, mehr Leerstände und sichtbaren Verfall, zudem durch Verkehrslärm und die Abgrenzung des Viertels vom Bahnhof hätten sich – nach der Aufbruchsstimmung der 90-er Jahre – jetzt die sozialen Probleme wieder vergrößert.
Professor Clauss Dietel und MdB Stephan Kühn an der Jakobstraße / Ecke ZietenstraßeDer junge Abgeordnete – gebürtiger Dresdener – erklärte, wie „volkswirtschaftlich dumm“ es sei, den Stadtumbau nach 20 Jahren nicht weiter fördern zu wollen. Für die energetische Sanierung müssten neue Gelder aufgebracht werden, statt zum Beispiel durch die Kerosinsteuerbefreiung jährlich auf 7 Milliarden Euro Einnahmen zu verzichten. Immer wieder kurz angesprochen wurde auch die „zweite Leerstandswelle: die Generation, die nach der Wende nicht geborgen wurde, wird keine Kinder kriegen“. Das werde schon in der Mitte des Jahrzehnts spürbar werden. Wie kompliziert das Förderthema insgesamt ist, wurde deutlich, wenn Kühn und Stillger in Fachdialoge gerieten.
Dann ergriff der berühmte Gestalter und Präsident des Verbandes Bildender Künstler zur Wendezeit, Prof. Clauss Dietel, das Wort: „Ich bin der älteste in der Runde und kenne den Sonnenberg am längsten. Vor 48 Jahren hatte ich hier mein erstes Atelier – ein großes Wort, ein Blumenladen in der Schüffnerstraße, dann hatte ich einen ausgebauten Pferdestall. Ich verstehe hier von dem Planchinesisch nichts. Es gibt hier eine schlimme Altlast. Der Monopolist Deutsche Reichsbahn hat eine bis heute existente 1,5 Kilometer lange Mauer – so wie in Berlin vom Brandenburger Tor bis zum Wedding – gebaut. Es gibt nur die menschenunwürdige Passage, die „Bazillenröhre“. Die Öffnung dieser Mauer beim Umbau des Hauptbahnhofs ist elementar. Es gibt ein unerhörtes Potential für den Sonnenberg, das ist eine goldene Stadtlage, ein perfekt geplantes Quartier. Dass da Lücken ‚reingerissen wurden, ist eine Katastrophe, aber es ist noch existent. Es ist nicht zerstört. Ich habe die kleinen Geschäfte und Handwerker erlebt: Es ist völliger Blödsinn zu sagen, das ist ein Proletenviertel. Erst durch die DDR ging das in die Binsen: zu DDR-Zeiten wurde nichts saniert, dann abgerissen, dann Plattenbauten gebaut. Nach der Wende ist durch die illegale Führung von zwei Bundesstraßen durch die Wohnstraße das Viertel kaputtgefahren worden. Wir haben gekämpft um die Tempo-30-Zone in der Zietenstraße.“
Am liebsten würde der Professor sie ganz für die Durchfahrt sperren. Er plädierte für marktgerechte Preise der Infrastruktur: je weiter vom Zentrum entfernt, um so teurer seien die Abwasserleitungen und die Müllabfuhr. So müsste die Innenstadt, wozu die Runde auch den Sonnenberg zählte, attraktiver gemacht werden. Schließlich werde man vom neuen Museum für Archäologie direkt auf den Sonnenberg blicken. Sein Appell: „Wir müssen das Leben organisieren, da gibt es für den Sonnenberg alle Chancen.“
Er ist auch Mitglied des Kuratoriums für Stadtgestaltung.
Ein DeutschalndRadioKultur-Bericht mit ihm aus den Abrisszeiten der letzten Jahre

Viel versprechend die Idee von Sachsen-Fernsehen Geschäftsführer René Falkner, der die ganze Zeit dabei war, eine TV-Reihe über den Sonnenberg zu machen. Ich habe mich begeistert gezeigt und auch von den Aktivitäten von Toni Jost erzählt, dessen Namen er schon kannte. Der Verein „Stadthalten“, der heute im Wächterhaus sein Herbstfest feiert, war gleichfalls bei dem Besuch dabei. Hoffen wir, dass etwas aus der Idee wird.

7. Oktober 2010

Chemnitz mit dem Blick von außen gesehen

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 13:55
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Als eine, die (relativ) neu hier ist, interessiere ich mich immer dafür, wie andere von außen die Stadt sehen.
Da gab es zum einen den Oliver Jungen von der FAZ. Er war zur Feier der Stadtumbenennung Anfang Juni hier und hat einen detailreichen und lustigen Artikel geschrieben. Dass er den Busbahnhof zu einer wichtigen Sehenswürdigkeit erheben will, muss ich nicht ernst nehmen. Zustimmen kann ich seiner Einschätzung, dass Chemnitz immer noch mehr Ex-DDR ist als andere Orte:

„Wenn man an „drieben“ denkt, dann denkt man an Chemnitz. Leipzig, Erfurt, Dresden, Weimar, das sind, so die Wahrnehmung vieler, erhabene deutsche Orte, an denen der Sozialismus allenfalls nagte. Doch Chemnitz, diese ehemalige „sozialistische Musterstadt“, ist irgendwie „drieben“ geblieben.“

So erkläre ich das auch öfters, wenn ich nach der Stadt gefragt werde. Und mir gefällt’s, denn ich bedauere, was ich alles versäumt habe mitzuerleben, als der Osten sich auf so spannende Weise entwickelte und ich nicht dabei war. Hier habe ich nicht so viel verpasst.
Allerdings erschien der Artikel erst im September, was im Text geschickt kaschiert wird. Na, da hat die Redaktion wohl gedacht, so heiß ist das Thema nicht, das nimmt uns niemand weg.

Zum anderen gab es das Kuratorium zur Stadtgestaltung, das ich mir von meinem Blognachbarn hatte erklären lassen hatte: „Kommt das Kuratorium?“
Seit letztem Samstag weiß ich genau, dass das Kuratorium auf den Sonnenberg war. Und nicht nur das, Prof. Nagler sagte in der Freien Presse, dass das Kuratorium sich wundere:…

“ zumindest die, die von außen kommen, dass der Stadtteil Sonnenberg keinen besseren Ruf hat. Er ist historisch gewachsen und zeigt große städtebauliche Potenziale. Er leidet sicher darunter, dass er hinter der Bahn liegt, vom Zugang zur Stadtmitte quasi abgeschnitten ist. Diese Rahmenbedingungen sollen sich aber durch den Umbau des Hauptbahnhofes verändern. Danach soll der Sonnenberg ebenso seine direkte Fußgängerverbindung zum Bahnhof und zum Zentrum erhalten wie der Brühl.“

Der Blick von außen ist also wertvoll! Hoffen wir nur, dass der Beirat auch genug gehört wird. Den Satz des Professors, er habe selbst „nicht so großen Rücklauf davon“, was aus ihren Empfehlungen werde, verstehe ich nicht. Hört sich jedenfalls nicht gut an.

23. August 2010

Alte Häuser mit neuem Inhalt

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 17:00

Gleich zwei Mal konnte ich in der letzten Zeit meiner Begeisterung für das Durchstöbern alter Häuser nachgeben.
Zuerst hier gleich um die Ecke beim Sommerfest im Wächterhaus. Ich lernte Toni persönlich kennen und andere nette Leute, die sich da engagieren oder nur wie ich vorbei gekommen waren. Und Würstchen gab’s, na klar, von der Metzgerei Thiele gegenüber. Solche Betriebe sind für den Sonnenberg Gold wert. Man kann hier ja kein Sozialbiotop aufmachen, das nach dem Auslaufen aller Förderzeiträume wieder abstirbt. Den Maler Sebastian (?), mit dem ich ins Gespräch kam, habe ich deshalb auch auf Richter und seine ergonomischen Stühle aufmerksam gemacht. Wenn er in seine Kunst investieren will, dann kann er dort ein vernünftiges Sitzmöbel erstehen.
Ja, und dann durfte ich das alte Eckhaus durchstreifen, die renovierten Teile und die noch der Renovierung harrenden. Hochspannend, wie die Wohnungen auf die Etagen verteilt waren bzw. sind, was dann als Raumteiler eingebaut wurde, wo es Durchbrüche gibt. Besonders gemütlich war es auf dem Dachboden. Gerade hatte es angefangen zu regnen, aber hier war der Geruch eines Dachbodens im Sommer zu spüren, nach Staub und Teer und gespeicherter Sonnenwärme. Und dass der Boden trocken war, ist ein wichtiges Ergebnis des Projekts, denn das Dach war schon leck gewesen und der Verfall des Hauses damit im vollen Gange. Also viel Erfolg weiterhin!
Das zweite alte Haus ist die ehemalige Karl-Liebknecht-Schule an der Mühlenstraße, also vom Sonnenberg runter durch die große Unterführung. Hier fand das Kunstfestival „Begehungen“ statt. Das wurde vor sieben Jahren für den Sonnenberg konzipiert.
Ich hatte die Wurstscheibchen auf Plakaten und Flyern gesehen, die um Einsendungen warben, und war neugierig geworden. Eine ganze alte Schule voller Kunst! Und dann noch ein riesenlanges Begleitprogramm.
Leider konnte ich nicht zur Eröffnung kommen, und auch der Abschluss mit einem Feuerwerk gestern abend traf leider mit dem Gewitter nach einem Sonnenwochenende zusammen, so dass wir in der Unterführung wieder umgekehrt sind. Kann man bei so einem Regen überhaupt zündeln?
Aber am Freitag war ich da. Eigentlich wollte ich eine World-Sound-Performance ansehen oder ihr zuhören. Und ausgerechnet die hatte das Ordnungsamt verboten – zu laut. Für wen denn, bitteschön? Wo sowieso kaum Leute darum herum wohnen, und die an einem Freitag um 18.30 Uhr eher in ihrem Garten sind als sich an einer Stunde Geräusche zu stören.
Dann bin ich also gleich in die Austellung gegangen und war nach zwei Stunden intensivem Guckens dem Ordnungsamt nicht mehr ganz so böse. So hatte ich mehr Zeit. Direkt neben der Treppe im dritten Stock, wo ich anfing, eine schöne Entdeckung. Ich schaute in einen dunklen kleinen Raum und dachte erst, hier ist nichts – und dann sah ich, dass Elb Art dort mit Toilettenpapierrollen gespielt hatte.
Eine Klopapierrolle wiegt 100 Gramm. Das Motto "100 Gramm Durchschnitt, bitte" inspirierte zu diesem Aufbau.
Das nur als ein Beispiel. Ich kapituliere vor dem Wunsch, alles, was mir gefallen hat, zu beschreiben: Der Raum, in dem die Schafe weiden, der, in dem echt gearbeitet wird, nämlich bis zum Schluss alles mit Kreppband überklebt wird, Fotos, etwa von Silke Schönfeld in unterschiedlicher Kleidung auf Identitätssuche, oder wunderschöne abstrakte Gemälde von Ji Eum mit jeweils 100 Gramm Farbe.
Und eben die alte Schule als Hintergrund. Das Gefühl, in einigen Räumen plötzlich auf Teppichboden zu stehen – aha, Lehrerzimmer. Was hier wohl für Geschichten passiert sind?
Irgendwie ist es ein Schulmuseum, auch wenn außer zwei Wandkarten nichts mehr da war. Die eigenen Phantasien bestücken es. Und die Ausstellung, auch das ganze Ambiente mit dem meist jungen Publikum, beflügelt die Phantasie.

29. Juli 2010

Sommerfest im Wächterhaus

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 12:56

Demnächst gehe ich zum Sommerfest in das Haus an der Zietenstraße, das als „Wächterhaus“ von dem Verein Stadthalten betreut wird. Toni, der Blogger von nebenan, wird auch da sein, er hatte mich auf den Termin aufmerksam gemacht.
Ich werde die anderen, die ich im Viertel kennengelernt habe, auch den Tipp geben. Den, der kürzlich hierher gezogen ist und die Wahl kommentierte „Kaßberg – nein, da treffe ich die Kollegen“. Oder die junge Frau, die ich beim Taizé-Gebet in der Josefskirche kennengelernt hatte.
Ich bin gespannt, in das Haus hineinzukommen. Und gespannt auf die Leute, die ich da treffe.

6. Juli 2010

Sonne und Regen im Sonnenberg

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 09:20

Es gießt. Das rosa Planschbecken, das die Nachbarn seit ein paar Wochen im Hof stehen haben, läuft voll, und die Couch sowieso, die seit einem lauen Grillabend vor einem Jahr dort ausharrt. Bis zum nächsten Sperrmüll? Das Thermometer zeigt gerade mal 16 Grad. Gestern noch saßen einige Leute mit ihren Flaschen direkt gegenüber vom kleinen Getränkemarkt im Schatten am Straßenrand, da war der Nachschub nah.
Aber immerhin hatten wir etwa zwei Wochen hochsommerliches Wetter. Und der Wetterbericht verkündet gerade „im Südosten noch Schauer“.
Die Bäume und Wiesen und Unkrautflächen, die uns so viel Grün bescheren, profitieren jedenfalls von diesem Wechsel zwischen feucht und heiß. Das abbruchreife Nachbarhaus ist immer weniger sichtbar.

9. Juni 2010

Richters Rückenstuhl-Party

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 16:03

Gerade war ich bei dem Büroausstatter Richter, der einen vollgestopften Kiosk-Büroartikel-Laden an der Fürstenstraße führt und sich auch sehr engagiert für ergonomisches Sitzen einsetzt. Er bietet Präsentationen von diversen Drehstühlen, Hockern und anderem rückenfreundlichem Inventar an, in dem schon erwähnten Alexxanders.
Ich kann’s empfehlen! Als ich nach Kaffee und Kuchen und einem kleinen Vortrag, dem ich auf einem besonderen Kippelstuhl gelauscht hatte, wieder aus der Tür trat, hatte ich direkt das Gefühl, etwas für meinen Rücken getan zu haben. Auch ein paar interessante Gespräche mit anderen Anwesenden.

4. Juni 2010

Kindheit im Sonnenberg

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 14:05

Jetzt habe ich jemanden näher kennengelernt, der hier im Viertel aufgewachsen ist und noch heute dort lebt. Wo ich unseren Computerladen sehe, kann er das Schuhgeschäft seines Großvaters erinnern, der den Russen aus der nahen Kaserne die Stiefel besohlte. Überhaupt die vielen Geschäfte des täglichen Bedarfs – das gehörte in den 60er/70er Jahren zum Straßenbild und ist unwiederbringlich weg.
Klar, es gibt einzelne Geschäfte wie Metzger, Bäcker, Druckpatronenauffüller und Fachhändler wie den Computerfuxx, wo man hingeht, weil es nah ist.
Aber da die meisten Waren doch auf dem Weg über den Supermarkt und den Autokofferraum in die Häuser gelangen, wird es diese Lebendigkeit nie wieder geben. Was heißt das? Wie geht man damit um?

28. Mai 2010

Stolz auf Chemnitz und seine vielen Experten

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 10:13

Gestern Abend habe ich etwas sehr Schönes erlebt: Das Schauspielhaus organisierte ein „Experten-Speed-Dating“. Für mich hieß das, ab 18.20 Uhr eine Stunde lang mit sieben interessanten Leuten sprechen zu können bzw. mir von ihnen etwas erzählen zu lassen.
Es ging so: Ich hatte davon gelesen und dachte, gehste mal gucken. Immerhin ist Theaterfest zur Stadtumbenennung, und zu dem anschließenden Stück hatte ich keine Lust. Ich rechnete so mit 25 Leuten, die im Foyer herumstehen und versuchen, die einen den anderen was zu erklären. Als ich ankam, kam ich gar nicht rein, so voll war es. Ich hörte noch die Stimme unserer OB, die allen dankte und etwas sagte wie „… stolz, ein Chemnitzer oder eine Chemnitzerin zu sein“. Es klang so, als wäre das der Anlass, auf den ich irgendwie gewartet hatte, alle im vergangenen Jahr Neuzugezogenen feierlich zu begrüßen. Na gut, ich war jedenfalls da. Eine Theatermitarbeiterin fragte mich, während wir an der Tür standen, freundlich, ob ich auch eine Expertin sei. Ich sagte: „Bestimmt.“. Aber sie meinte, ob ich bei diesem Experiment als Expertin angemeldet war, sonst solle ich mir an der Kasse eine kostenlose Karte holen und dann an den Tisch mit der betreffenden Nummer gehen. Ich holte mir also eine Karte mit der 61 und ging dann bis zu meinem Tisch. Wohlgemerkt, 61, und das war nicht die letzte Nummer. Alle Foyer-Räume standen voll mit kleinen Tischen, und daran sammelten sich jeweils eine Expertin und ein Zuhörer, Männer und Frauen, jung und älter, bunt gemischt. Ich sah die OB, eine Rollstuhlfahrerin, den Superintendenten der evangelischen Kirche und traf unsere Metzgerin von der Zietenstraße, deren Vater Metzer als Experte wirkte.
Bevor es losging, waren mein erster Gesprächspartner, ein Soziologe, Insolvenz-Forscher von der TU, noch etwas unsicher. Dann wurde der Beginn moderiert, ein Gong setzte das Signal, das grelle Licht wurde auf „Gesprächsatmosphärenbeleuchtung“ herunter geschaltet und es ging los. Eine großartige Idee, zweckfrei mit Menschen über ihre Stärken ins Gespräch zu kommen. Das heißt, meine Rolle war die der Zuhörerin, ich habe mich bezähmt, nicht zu viel selbst zu reden, sondern fast nur nachzufragen. Mit dem Gong waren die acht Minuten um, und man wechselte einen Tisch höher.
So kam ich nacheinander an: eine Betreuerin von Autisten, die darüber auch vor zwei Jahren eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben hat (obwohl sie sicher eher 60 als 30 Jahre alt war), noch eine Forscherin von der TU, diesmal im Bereich Personalwirtschaft, einen Filmemacher, einen Funktionär aus dem Netzwerk Kultur und Jugend, einen jungen Mann, der mir als ein Beteiligter die Sache mit dem ExKa erklären konnte, und einen Automotorenentwickler. Der hat mir gleich heute morgen einen interessanten Buchtitel gemailt.
Was sie im einzelnen erzählt haben,will ich hier nicht wiedergeben. Das muss man besser selbst erleben. Ich gehe jedenfalls heute Abend wieder hin.

25. Mai 2010

„Neu hier“ lebt sich ein

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 18:41

Ich bin nicht mehr neu hier, nach fast einem Jahr. Schon kenne ich einen Jahreslauf, kann mich auf etwas freuen, was mir im letzten Jahr gefiel, wie die bald blühenden bunten Wiesenblumen auf Flächen, wo man mit mehr Geld einen langweiligen Rasen scheren würde.
Wiese in der Stadt im letzten FrühsommerWenn ich unterwegs bin, treffe ich Bekannte. Die meisten Einkaufswege haben sich eingespielt.
Natürlich kommt immer Neues hinzu. Vorhin war ich zum Beispiel in dem von außen unscheinbaren Asienladen an den Gleisen gegenüber vom Einkaufszentrum Sachsenallee. Und siehe da, das ist ein Groß- und Einzelhändler, der vermutlich keinen Zutatenwunsch aus dem Asienkochbuch unbefriedigt lässt. Ich habe neben Sojasoße und Sesamöl zum Spaß ein Vietnam-Bier gekauft. Die vielen Kulturen, wie ich es in Hamburg erlebt habe und erst recht jetzt in einer London-Woche, die fehlen mir hier. Sonst nichts.
Morgen will ich mir mal meinen Stadtrat angucken und zu einer Sitzung gehen.
Nach wie vor finde ich es hier das interessanteste Viertel. Die Bäume, die kurz vor Weihnachten in den Straßen rechts und links vom Platz gepflanzt wurden, sind übrigens alle angewachsen. Einige blühten schon weiß und rosa, da war die dritte Straße noch kahl. Ich machte mir schon Sorgen, aber mit etwas Verspätung trugen die Kronen jetzt grüne gefiederte Blätter. Es ist schön hier!

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