Neu in Chemnitz-Sonnenberg

11. Dezember 2009

Bäume zu Weihnachten

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 12:15
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Bei einigen Straßen um die Ecke ist in der letzten Zeit die Fahrbahndecke saniert worden. Alles wunderbar, man freut sich jedes Mal, wenn man mit dem Fahrrad von dem üblichen Loch an Loch auf den neuen Asphalt rollt. An den Seiten zwischen den Parkplätzen waren Rechtecke freigelassen, mit rötlicher Schlacke abgedeckt. Vorgestern sah ich dort Erde, sorgfältigst geharkt. Na, dachte ich, hat das jemand zum Fest schön machen wollen. Mal sehen, wie lange das Harkemuster hält.
Und gestern wurden da plötzlich Bäume in die Rechtecke gepflanzt! Da sich so lange nichts getan hatte – und man willl ja nicht zu unbescheiden sein, auf dem Platz gibt es schöne Bäume, und die Brachflächen sind grün – hatte ich überhaupt nicht damit gerechnet. Gefreut habe ich mich und das gleich einem der Arbeiter zugerufen, die im strömenden Regen den ganzen Tag zu Werk gingen.
Ich bin gespannt, welche Sorte es ist, und hoffe, dass die kahlen Stengel im Frühling alle ausschlagen.

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8. Dezember 2009

Vergangenheitsbewältigung

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 17:47
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Gleich gehe ich wieder einmal zu der Ringvorlesung an der TU zum Thema „20 Jahre friedliche Revolution“. Thomas Küttler, ein Kirchenmann, ist heute dran.

Neulich war es Klaus Bartl, jetzt stellvertretender sächsischer LINKE-Vorsitzender, früher verantwortlicher Jurist der SED-Bezirksleitung. Da brannte die Luft im modernen Hörsaal an der Reichenhainer Straße. Die ungebremste Wut von einigen Gegnern wurde angefacht durch seine Art, mit Dönekes aus der DDR-Versorgungslage, Hinweisen auf politische Missstände heute und seiner mangelnden Einflussmöglichkeit im allgemeinen. Kostprobe: Nach Unrechtsurteilen gefragt, sagte er, zwar wäre er für die Richter von Seiten der Partei verantwortlich gewesen, aber er habe so viel zu tun gehabt, mehr als 8 – 10 Stunden täglich, da habe er sich nicht um alles kümmern können. Seine Frau sei im Raum, die könne das bestätigen.
Nachher hatte ich noch einen kurzen Wortwechsel mit einem alten Mann, der auf meine Frage, was er denn vor 20 Jahren gemacht habe, erklärte: Er sei in der Partei gewesen, aber am Ende ausgetreten. Warum? Es sei ihm zu reformerisch geworden. ???
Mal sehen, wie die Diskusssion heute wird.
Die ehemals Verantwortlichen haben den Vorteil, dass ihre Geschichte durch die Wiedervereinigung abgeschnitten wurde. Ich sage bewusst „Vorteil“, denn wenn man wirklich die Biographien so aufarbeitet mit allen Fragen, was der dejenige Gutes und Schlechtes getan hat und hätte anders tun können, dann wäre es eher schwieriger. Ob jemand eventuell (k)ein IM war, ist eher ein unwichtiger Aspekt. Die damals Oppositionellen kämpfen dagegen für sich immer mit der Frage, ob sie das gewollt haben, was daraus wurde. Entweder sie geraten in den Rechtfertigungsdruck oder sie ziehen sich erst recht in die Opposition zurück. Und die unpolitische Mehrheit vergisst.

27. November 2009

Chemnitzer Weihnachtsmarkt, kein Wochenmarkt

Im Erzgebirge wird Weihnachten ja ganz besonders „abgekultet“, wie ein lieber Freund sich auszudrücken pflegt. Ich bin schon gespannt. Die ersten Schwibbögen sind schon in den Fenstern der Nachbarhäuser aufgetaucht. Die Kisten mit dem Weihnachtsschmuck habe ich vorhin aus dem Keller geholt. Ein Adventskranz wartet auf dem Balkon auf seine bei uns traditionellen gelben Kerzen und das dunkellila Band. Stachlige Blautannenzweige vom Gelände der aufgegebenen Molkerei nahe am Zeisigwald stecken in zwei Vasen. (Den Tipp kann ich hier ruhig reinschreiben, da wächst noch genug!)
Was mich aber betrübt und sorgenvoll gemacht hat, ist eine Begleiterscheinung des Weihnachtsmarkts. Der findet, na klar, an der schönsten Stelle statt, auf dem Platz rund um das Rathaus. Deshalb musste der um einiges verkleinerte Wochenmarkt neulich schon in der Aufbauphase auf den Platz an den Roten Turm ziehen. Meine wichtigsten Gärtner- und Obsthofstände waren da. Aber auch dort durften sie nur noch bis heute bleiben. Aus unerfindlichen Gründen – „das ist die Verwaltung von Eurer Stadt“, klagte der Gärtner – bekommen sie wegen des Weihnachtsmarkts gar keinen Platz mehr. Und das bis zum 5. Januar!
Ab Mitte Dezember habe ich fast ununterbrochen Gäste, die ich gut bekochen will. Wo bekomme ich dann das regionale Gemüse her? Wo die Pellkartoffeln aus eigenem Anbau und den Rosenkohl, den Chicoree, den Feldsalat, und die verschiedenen Apfelsorten? Das Suppengemüse … und … und … .
Es ist schon seltsam, wenn der Markt als etwas angesehen wird, was ausgerechnet zu den Festtagen entbehrlich ist. Sozusagen als saisonale Deko. Und Ende November wird eben umdekoriert.

24. November 2009

Buden bauen

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 16:23

War es der Herbststurm, der heute den Kran vor dem Küchenfenster bewegt hat? Oder wird da wirklich weitergebaut? Denn der Unternehmer, der eins der schönsten Häuser in der Umgebung sanierte, war pleite gegangen. So stand der Bau seit Jahresanfang still. Nur die Fenster wurden eines Tages ordentlich zugenagelt.
Jetzt sind Baugeräusche zu hören, und Männer laufen hin und her, so weit man das durch die mittlerweilen entlaubten Bäume sehen kann. Da hatte ich am Anfang Sorge gehabt, dass Baugeräusche stören könnten, nun bin ich frioh darüber! Hoffentlich geht die Renovierung weiter und es wird nicht die Baustelle endgültig geschlossen.
Die Kids aus dem Nachbarhaus haben sich jedenfalls schon inspirieren lassen und ein Budenbau-Programm aufgelegt. Hoffentlich stört sie niemand dabei. Als sie neulich irgend etwas mit Pappe und Papier bauen wollten – was so aussah, als wäre der Inhalt der Papiertonne im Gärtchen verteilt worden – hat ein Nachbar fürchterlich geschimpft. Jetzt haben sie sich auf die große Wiese in der Mitte verzogen, nah bei den echten Bauarbeitern.

20. November 2009

Augenarzt gefunden

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 10:54
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Es hat geklappt. Ich bin selbst hingegangen zu den günstig erreichbaren Praxen, die meisten liegen sowieso direkt im Zentrum. Und bei einer sehr angenehm wirkenden Praxis – nicht nur moderne Einrichtung, auch freundliche Mitarbeiterinnen – habe ich kurzfristig einen Termin bekommen. Ich grüble nur, dass ich da gefragt wurde, von wo ich zugezogen sei. Das spielt doch keine Rolle…

12. November 2009

Augenarzt gesucht

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 12:02
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Jetzt weiß ich, dass sich die Augenärztin, von der ich neulich schrieb, mit ihrer Website nicht viel Mühe geben muss. Denn sie nimmt gar keine neuen Patienten mehr an und ist damit nicht die einzige hier in der Großstadt.
Und ich dachte, das Problem gäbe es nur auf dem Land? Da hat vor dreißig Jahren die Nachwuchsförderung nicht geklappt. Dass man lieber mehr das Fach studieren lässt als es im Plan ist, weil es ja sein könnte, dass sie sich nicht an ihre Arbeitsstellen „lenken“ lassen, hat man nicht mit einbezogen.
Ob es heute besser ist? Wenn der Numerus Clausus so hoch ist, gibt es dann später genug Mediziner für alle alten Augen der Republik? Denn einen Augenarzt braucht fast jeder alte Mensch. Schlecht, wenn er stolpert, weil er die Stufe nicht richtig gesehen hat. Dann wird’s komplizierter.
Wenn ich heute nichts finde, dann gehe ich zu dem meiner Schwiegermutter in Westdeutschland. Oder in Berlin. Aber das kann keine Lösung sein.

4. November 2009

Kinder als Kosmetik

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 14:09

Erst wollte ich schreiben: Ein Fall von Kindesmissbrauch, aber man soll ernste Delikte ja nicht so verharmlosen.
Aber trotzdem: Da dürfen die Kids nicht einfach einen Laternenumzug machen, sondern sollen damit zeigen, dass es sie trotz Überalterung noch gibt!
Warum wird nicht einfach gefeiert? Eine Tradition gepflegt (am besten ein echter Martinszug wie im Rheinland) oder eine neue begründet, weil es Freude macht?
Mit der „Überalterung“ müssen wir uns sowieso auseinander setzen. Am besten fangen wir an, dies Wort abzuschaffen.

3. November 2009

Im Herbstwetter zurück

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 11:13

Wie viele Blogeinträge es wohl über das Wetter gibt? Ich könnte mal suchen. Hat es etwas mit diesem Wort „Wetter“ zu tun, dass rot in der Administrationsspalte neben diesem Textfenster das Aktionsangebot „Move to Trash“ auftaucht? Diese Funktion habe ich noch nie bemerkt. Und so, als einziges knallrot, wäre sie mir bestimmt aufgefallen.

Worüber sprachen wir gerade? Ja, übers Wetter. Als ich gestern nach einigen Tagen Abwesenheit wiederkam, sah ich draußen nichts außer Nässe, Dunkel und die kleinen altertümlichen Straßenlaternen mit dem gelben Licht. Heute morgen bemerke ich, dass das schöne Herbstlaub auf dem Platz schon zu zwei Dritteln unten liegt. Und ich wollte es doch noch fotografieren. Naja, dann das nächste Jahr. Auf der anderen Seite ist es schön bunt. Auch die wilden Kirschbäume sind so rötlich verfärbt, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Ich war unter anderem auf einem Klassentreffen in der Nähe von Köln. Da war ich, wenn ich recht überlege, die einzige, die jetzt im Osten wohnt. Wenn man von dem Mitschüler in Shanghai absieht.

Gestern bei einer Veranstaltung saß ich zufällig neben jemandem, der aus einem benachbarten Hamburger Sadtteil stammt und ganz traurig ist, dass er wahrscheinlich Chemnitz aus Berufsgründen wieder verlassen muss. Ich freue mich, hier bleiben zu dürfen. Auch wenn der Weg von West nach Ost sich lange hinzieht.

Ich merke, dass ich hier schon nicht mehr ganz so neu bin. Gerade gestern hatte ich zum ersten Mal die Idee für einen Anschlussblog und überlegte, wann ich diesen beende. Ich hatte mir den 31.12. vorgesehen. Wahrscheinlich bleibt es dabei, denn ich könnte den Neuen ja vorbereiten und nicht völlig nackt starten wie diesen aus den Umzugskisten heraus. A propos Umzugskisten. Die Familie zwei Stock unter uns zieht um. Ich biete ihnen meine Kisten an.

Jetzt werde ich nicht „move to Trash“ anklicken, sondern „Veröffentlichen“. Danke, dass Sie wieder „Neu in Chemnitz-Sonnenberg“ gelesen haben.

22. Oktober 2009

Ein angenehmer Aufenthalt

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 09:31

Wenn ich mit Gästen durch die Stadt gehe, erzähle ich immer vom Bevölkerungsverlust seit dem Kriegsbeginn. Sonst sind die Lücken und die vielen Schilder „Wohnung frei“ nicht zu verstehen. Da fiel mir beim Vorbeigehen am Haus der „Freien Presse“ die passende Schlagzeile ins Auge „70.000 Sachsen pendeln in den Westen“. Beim Erklären und Überfliegen des Artikels schubsten wir beinah eine andere Leserin vor gleichen Scheibe weg. Sie aber nahm gleich freundlich das Gespräch auf, erklärte, dass seit der Wende die Bevölkerung um 100.000 geschrumpft sei. Und wünschte uns dann einen angenehmen Aufenthalt.

Ja, ist das jetzt etwas Besonderes, dass man es in einen Blog schreibt?

Wie auch immer, wir verbrachten den Mittag und Nachmittag als Multi-Nationen- und Multi-Generationen-Gruppe zusammen mit der betagten Verwandten aus Baden-Baden, die vielleicht hierher ziehen will und sich deshalb zielsicher die schönen Seiten der Stadt erschließt. Essen an der Stadthalle, dann mit dem Taxi über den Kaßberg zum Schloßmuseum. Ein netter Taxifahrer, der uns die „bürgerlichen Häuser“ auf dem Kaßberg erklärt. Nach der Besichtigung noch ein Getränk und ein Nachtisch im ältesten Gasthaus der Stadt. Und dann wieder ein Großraumtaxi zum Kino Metropol. Geld ausgeben ist gut gegen Fremdenfeindlichkeit.
Das war auch ein Thema des Films „Salami aleikum“, den wir gesehen haben. Beim Eintritt von 1,50 Euro pro Person kamen wir uns noch einmal reicher vor als wir sind. Der Held des Films aus einer persischen Emigrantenfamilie findet in einem verlassenen Nest kurz vor der polnischen Grenze offene Arme, weil er für einen potentiellen Investor angesehen wird, der das Kombinat retten könnte, das einst dem Dorf Leben gab. So haben wir am Abend des Tages über den Umschwung von Spießigkeit und Neonazitum zu bemühtem Multikulti herzlich gelacht. Die schöne Geschichte im Film ist, dass es funktioniert und die Freundschaft bleibt, auch als die Investorenträume zerstört sind.

Am Tag drauf waren wir zu Fuß und mit dem Bus unterwegs, aber das ging auch. Wir sind zur TU, weil da gerade Studieninformationstage für Schüler liefen. In diesem Umfeld, allein von den vielen jungen Leuten umgeben zu sein, war schon ein angenehmes Gefühl. Und der Studienberater war echt nett und verkörperte glaubwürdig die persönliche Atmosphäre, die man kleinen Unis nachsagt. Klar, die werben schließlich um Studenten. Aber das ist es ja: Wir brauchen in Deutschland Verstärkung bei der jungen Generation, und das sind zum großen Teil Migranten. Also, warum spürt man nicht überall diesen Respekt vor der Bedeutung, welche diese Jugendlichen und ihre Eltern haben (von der persönlichen Freundschaft abgesehen)?

19. Oktober 2009

Verdacht auf unberechtigte Einreise

Filed under: Uncategorized — Katharina @ 21:53

Ich hatte ja schon Bedenken, besonders wichtige Freunde aus Hamburg mit dunkler Hauptfarbe zu Besuch nach Chemnitz einzuladen. Nicht dass sie hier auf etwas stoßen, was vielleicht nicht so angenehm ist, Fremdenfeindlichkeit oder so. Allein schon – im Vergleich zu Hamburg – quasi als weiße Raben durch die Sadt zu laufen ist gewöhnungsbedürftig, zumal für Jugendliche, die fast ihr ganzes Leben in der Hansestadt verbracht haben.
Sie kommen also heute an, mit dem Bus als Schienenersatzverkeht von Burgstädt. Und da der Bus nicht da hält, wo er nach Bahnauskunft halten sollte und wo ich stehe, sondern direkt vor dem Bahnhofshaupteingang, erwische ich sie nicht gleich.
Als dann der dicke Bahnhofsmissionsmitarbeiter, der gleichfalls jemand in Empfang nehmen wollte, auf einmal losrennt, merke ich, dass ich meine Gäste suchen muss. Ich habe Glück, ich finde sie gleich am Anfang der Bahnhofshalle, in Begleitung von zwei Uniformierten. Erst denke ich: Wie nett, die helfen ihnen mich zu finden. Dann sehe ich den Ausweis in der Hand unserer Freundin. Schwarze – Kontrolle – schießt es mir durch den Kopf. Davon hatte ich gehört und gelesen, dass Leute, die auffällig anders aussehen, auffällig oft kontrolliert werden, aber erlebt noch nie.
Zum Glück nimmt die Freundin, die schon 20 ist, die Sache mit Humor und hatte ihren deutschen Pesonalausweis eingesteckt. Die Beamten hatten erst den 15-jährigen Bruder angesprochen, der älter aussieht als er ist, und der keine Papiere dabei hatte. Er war es auch, der sich öfter im Vorfeld nach Nazis erkundigt hatte. O nein, und jetzt so etwas. Das habe schon seine Richtigkeit, werde ich belehrt, schließlich müssten sie bei Verdacht auf unberechtigte Einreise kontrollieren, seit die Tschechei zum Schengenraum gehört.
Ich sagte noch, dass wir als Neuzugezogene schon Bedenken hatten, unsere Gäste hierhin einzuladen. Aber wie reagiert man sonst richtig? Ich werde mich mal erkundigen, wie andere damit umgehen. Ob jeder Student nach seinem Wochenendausflug kontrolliert wird? Wo doch Chemnitz junge Leute anziehen möchte statt sie abzustoßen!
Zum Glück hat der Taxifahrer normal reagiert. Und nachmittags sind wir in den Wald gegangen, da kann nicht so viel passieren. Mal sehen, wie es morgen wird.

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